• René Franz

Warum wir altes Saatgut empfehlen

Aktualisiert: März 20


Im Alter steckt die Weisheit, heißt es. Es gibt viele gute Gründe, "altes" Saatgut im Garten zu verwenden. Alt wird es dabei deshalb genannt, weil viele der Pflanzenzüchtungen am Aussterben sind und sich neue Züchtungen aufgrund ihres Ertrags oder aufgrund von Werbung und Marketing durchsetzen. Wir wollen uns dafür stark machen, die noch bestehende Sortenvielfalt zu erhalten – indem wir nur biologisches, sortenreines und altes Saatgut empfehlen.


Ein Aspekt beim alten Saatgut ist sicherlich die Vielfalt. Was man heute so in Gartenmärkten zu kaufen bekommt ist meistens auch das, was es im letzten Jahr gab. Sicher gibt es auch neue Züchtungen, aber oft werden diese auf Endkunden zugeschnitten, die immer den Kick des neuen brauchen. Ausgefallenere Farben, Formen, immer höhere Erträge. Auf die Gesundheit der Pflanze wird dabei kaum geachtet. Sie wir ja im Hausgarten mit allen möglichen Mitteln gepeppelt und rundum versorgt. Diese Art des Anbaus ist viel mehr ein schönes Lifestyle-Anhängsel als wirkliche Selbstversorgung. Echte Sortenvielfalt bekommt man beim alten Saatgut zuhauf. Wer bei den einschlägigen Anbietern, z.B. bei Reinsaat schaut, viele verschiedene alte Sorten. Wir haben in unserem Crowdfunding übrigens einen Raritäten-Mix zusammengestellt. Mit der Nutzung von altem Saatgut erhalten wir also eine Tradition der Züchtung, die es schon seit Jahrhunderten gibt. Alte Züchtungen haben oft erstaunliche geschmackliche Nuancen und auch die Pflanzen sind oft robuster als bei konventionellem Saatgut.

Ein weiterer Aspekt ist die Samenfestigkeit. Heutzutage sind viele Saatgüter aus dem Super- oder Gartenmarkt sogenannte Hybride. Das bedeutet grob gesprochen, dass ich sie nicht weiter vermehren kann. Die Samen die solche Pflanzen produzieren sind also unfruchtbar und werden im nächsten Jahr nicht keimen. Solche Techniken werden zum einen genutzt, um bestimmte Eigenschaften in den Pflanzen zu erzeugen, die mit normaler Züchtung nicht möglich werden. Die Tatsache, dass sich solche Hybridsaatgüter im normalen Handel immer mehr durchgesetzt haben, spricht für mich aber eher dafür, dass sich damit mehr Geld machen lässt. Logisch: Wer das Saatgut nicht selbst vermehren kann muss auch jedes Jahr neues kaufen. Bei samenfestem Saatgut ist das nicht der Fall. Im Idealfall kann ich die Samen von z.B. Paprika trocknen und im nächsten Jahr wieder zur Keimung bringen – vorausgesetzt, es ist keine Fremdbestäubung im Spiel.


Auf den großen internationalen Saatgutmärkten spielen vor allem bei Großabnehmern auch gentechnisch verändertes Saatgut eine Rolle. Durch die Nutzung von samenfestem und auch altem Saatgut tragen wir also auch dazu bei, Monopole von einzelnen großen Saatgutherstellern zu brechen, wie z.B. Monsanto: Dieser Hersteller vertreibt Saatgut, das gegen die selbst produzierten Pestizide immun ist und die Landwirte in die Abhängigkeit vom Saatgut und den Pestiziden treibt. Sortenreines, altes Saatgut zu kaufen ist also immer auch ein Statement gegen Monopole, Profitgier und Umweltzerstörung.

Ein vierter Punkt ist, dass altes Saatgut ohne unsere weitere Nutzung davon irgendwann ausstirbt. Damit gehen Kulturgüter, die durch jahrelange mühsame Züchtung entstanden sind einfach verloren und die genetische Vielfalt nimmt ab. Das macht unsere Nahrungsmittelversorung auch wesentlich anfälliger für Störungen: Wenn überall nurnoch die gleichen Saatgüter verwendet werden, haben Schädlinge leichtes Spiel und müssen mit großen Spritzmitteleinsatz zurückgehalten werden. Mehr Diversität im Saatgut sorgt für widerstandsfähigere Pflanzen und Landwirtschaften, aber auch ganz konkret für mehr Auswahl bei der Kaufentscheidung. Da es viele Sorten im Supermarkt gar nicht zu kaufen gibt, freue ich mich immer darüber abgefahrene Sorten bei Verwandten und Bekannten mitzubringen. Lila-gelbe oder Rot-grün-gestreifte Tomaten sorgen dort immer für Erstaunen. Tatsächlich geht die Vielfalt aber noch viel weiter – wir müssen uns nur trauen, sie zu nutzen!


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